Haarausfall in den Wechseljahren: 7 Ursachen, die dein Arzt nicht erwähnt

Jede dritte Frau in der Menopause erlebt Haarausfall. Doch die Ursachen gehen weit über Östrogenmangel hinaus: DHT, Schilddrüse, Eisenmangel, Cortisol, Insulinresistenz, Vitamin D und bestimmte Medikamente spielen eine Rolle. Dieser Artikel erklärt alle sieben Mechanismen und was du konkret dagegen tun kannst.

Aktualisiert: April 2026
Frau in den Wechseljahren betrachtet ihren Scheitel im Spiegel
Frau in den Wechseljahren betrachtet ihren Scheitel im Spiegel

Du stehst morgens vor dem Spiegel und dein Scheitel ist breiter als letztes Jahr. Dein Haargummi geht einmal weniger rum. Im Abfluss liegen Strähnen, die gestern noch nicht da waren. Wenn du gerade in den Wechseljahren bist und nach den Ursachen für deinen Haarausfall suchst, bist du nicht allein. Jede dritte Frau in der Menopause erlebt Haarausfall in den Wechseljahren, und die Ursachen sind komplexer, als die meisten Ärzte in den 8 Minuten Sprechzeit erklären können.

Das Problem: Wenn du nur "Östrogenmangel" als Antwort bekommst, fehlt dir das halbe Bild. Und genau das fehlende Bild entscheidet darüber, ob du die richtigen Maßnahmen ergreifst oder weiter Geld für Produkte ausgibst, die an der eigentlichen Ursache vorbeigehen.

Dieser Artikel zeigt dir sieben hormonelle und metabolische Trigger, die dünne Haare in den Wechseljahren verursachen. Manche davon werden selten besprochen. Alle sind wissenschaftlich belegt.

Warum fallen Haare in den Wechseljahren aus?

Haarausfall in den Wechseljahren entsteht, weil sich das Verhältnis von Östrogen zu Androgenen verschiebt. Sinkt der Östrogenspiegel ab der Perimenopause, gewinnen Androgene wie Testosteron und sein Abbauprodukt DHT (Dihydrotestosteron) die Oberhand. DHT bindet an Rezeptoren in den Haarfollikeln und lässt sie schrumpfen. Die Wachstumsphase verkürzt sich, die Haare werden feiner und fallen schneller aus.

Das ist die Kurzversion. Die Realität ist differenzierter. Es gibt nicht einen einzigen Schalter, der umgelegt wird. Es sind mehrere Systeme, die gleichzeitig aus dem Gleichgewicht geraten. Und jedes dieser Systeme kann einzeln oder in Kombination zu diffusem Haarausfall in den Wechseljahren führen.

Was das für dich bedeutet: Die Lösung liegt nicht in einem einzelnen Vitamin oder einem teuren Shampoo. Sie liegt darin, zu verstehen, welche dieser sieben Ursachen bei dir eine Rolle spielen.

Östrogen, Progesteron und DHT: das hormonelle Dreieck

Die häufigste Ursache für Haarausfall in der Menopause ist das sogenannte hormonelle Dreieck aus Östrogen, Progesteron und DHT. Wenn beide Schutzhormone sinken, steigt der relative DHT-Einfluss auf deine Haarfollikel. Das Ergebnis: dünner werdendes Haar, vor allem am Scheitel und an den Schläfen.

Hier ist, was in deinem Körper passiert:

  • Östrogen verlängert die Wachstumsphase (Anagenphase) deiner Haare. Sinkt es, verkürzt sich diese Phase. Haare fallen schneller aus, bevor sie ihre volle Länge erreichen.
  • Progesteron fällt oft noch vor dem Östrogen, manchmal schon ab Mitte 30. Es ist ein natürlicher Gegenspieler von Testosteron. Wenn es fehlt, haben Androgene freie Bahn.
  • DHT (Dihydrotestosteron) entsteht, wenn das Enzym 5-Alpha-Reduktase Testosteron umwandelt. In genetisch empfindlichen Follikeln lässt DHT die Haarwurzel regelrecht verhungern, indem es Blutversorgung und Nährstoffzufuhr drosselt.

Prof. Dr. med. Ulrike Blume-Peytavi, Leiterin des klinischen Forschungszentrums für Haar- und Hauterkrankungen an der Charité Berlin, beschreibt den Vorgang so: Die Follikel miniaturisieren sich schrittweise. Sie werden kleiner, produzieren dünnere Haare und gehen irgendwann in eine Art Ruhezustand über.

Das Tückische: Dieser Prozess ist schleichend. Viele Frauen bemerken den Haarausfall erst, wenn bereits 30-40 % der Haardichte verloren ist. Bis dahin hat das hormonelle Dreieck schon Monate oder Jahre gearbeitet.

Der DHT-Mechanismus ist besonders relevant für Frauen ab 45, weil die schützende Wirkung von Östrogen und Progesteron gleichzeitig nachlässt. Es gibt pflanzliche Wirkstoffe wie Kürbiskernöl und Sägepalmenextrakt, die das Enzym 5-Alpha-Reduktase hemmen und so die DHT-Produktion auf natürlichem Weg moderieren können. Studien zeigen, dass dieser Ansatz bei leichter bis mittelschwerer androgenetischer Alopezie zu einer Zunahme der Haarzahl von bis zu 40 % über 24 Wochen führen kann.

Schilddrüse und Haarausfall ab 45

Schilddrüsenerkrankungen sind eine der am häufigsten übersehenen Ursachen für Haarausfall ab 50. Besonders die Unterfunktion (Hypothyreose) trifft Frauen in den Wechseljahren überproportional häufig. Schätzungen zufolge entwickeln bis zu 20 % aller Frauen über 60 eine subklinische Hypothyreose.

Das Problem: Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion überschneiden sich stark mit typischen Wechseljahresbeschwerden. Müdigkeit, Gewichtszunahme, trockene Haut, dünner werdendes Haar. Viele Ärzte ordnen diese Symptome automatisch den Wechseljahren zu, ohne die Schilddrüse zu testen.

Was die Schilddrüse mit deinen Haaren macht:

  • T3 und T4 regulieren den Haarzyklus. Sinken die Schilddrüsenhormone, verkürzt sich die Wachstumsphase und mehr Haare gehen gleichzeitig in die Ruhephase (Telogenphase). Das Ergebnis: diffuser Haarausfall über den gesamten Kopf.
  • Die äußeren Augenbrauen dünnen aus. Wenn dir auffällt, dass das äußere Drittel deiner Augenbrauen lichter wird, ist das ein klassisches Zeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion.
  • Das Haar verändert seine Textur. Es wird trockener, brüchiger und verliert seinen Glanz. Anders als beim hormonellen Haarausfall (Scheitel, Schläfen) betrifft Schilddrüsen-bedingter Haarausfall den gesamten Kopf gleichmäßig.

Eine Studie im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2020) zeigte, dass bei Frauen mit subklinischer Hypothyreose eine Normalisierung der TSH-Werte durch eine angemessene Therapie den Haarverlust innerhalb von 6-12 Monaten signifikant reduzieren konnte.

Was du tun kannst: Lass bei Haarausfall in den Wechseljahren immer TSH, fT3 und fT4 testen. Ein normaler TSH-Wert allein reicht nicht aus. Die Referenzbereiche sind weit gefasst, und ein Wert am oberen Rand kann für deinen Körper bereits zu hoch sein. Ein Endokrinologe kann das besser beurteilen als der Hausarzt.

Eisenmangel in den Wechseljahren

Eisenmangel ist die häufigste Nährstoffmangelursache für Haarausfall bei Frauen, auch in und nach den Wechseljahren. Ein Serumferritinspiegel unter 40 ng/ml korreliert bereits mit verstärktem Haarverlust, selbst wenn der Hämoglobinwert noch im Normbereich liegt.

Warum Eisen und Wechseljahre zusammenhängen:

  • In der Perimenopause erleben viele Frauen zunächst stärkere und unregelmäßige Blutungen. Das kann die Eisenspeicher über Monate bis Jahre erschöpfen, ohne dass eine klassische Anämie diagnostiziert wird.
  • Nach der Menopause hören die Blutungen auf, aber der Eisenspeicher ist möglicherweise bereits leer. Die Wiederauffüllung dauert Monate, und in dieser Zeit kann der Haarausfall anhalten.
  • Eisen ist essentiell für die Zellteilung in den Haarfollikeln. Ohne ausreichend Eisen können sich die Zellen der Haarmatrix nicht schnell genug teilen. Die Wachstumsphase verkürzt sich, das Haar wird dünner.

Eine Übersichtsarbeit im Journal of the American Academy of Dermatology (Trost et al.) bestätigte, dass Eisenmangel auch ohne manifeste Anämie zu Haarausfall beitragen kann. Die Forscher empfehlen, bei Haarausfall einen Ferritinwert von mindestens 70 ng/ml anzustreben.

Was dabei oft übersehen wird: Eisen und Schilddrüsenfunktion hängen zusammen. Eisenmangel kann die Umwandlung von T4 zu T3 beeinträchtigen. Wenn beides gleichzeitig vorliegt, verstärken sich die Auswirkungen auf das Haar gegenseitig.

Wichtig: Nimm Eisenpräparate nie ohne ärztliche Abklärung ein. Zu viel Eisen kann toxisch wirken. Lass deinen Ferritinwert bestimmen, nicht nur das Blutbild.

Stresshormone und Haarfollikel

Chronischer Stress erhöht den Cortisolspiegel und kann direkt zum Haarausfall beitragen. In den Wechseljahren wird diese Verbindung besonders relevant, weil Cortisol und Progesteron denselben Vorläufer teilen: Pregnenolon. Wenn dein Körper unter Dauerstress steht, priorisiert er die Cortisolproduktion auf Kosten von Progesteron. Dieses Phänomen wird als "Pregnenolon-Steal" bezeichnet.

Wie Stress deine Haare beeinflusst:

  • Cortisol verkürzt die Wachstumsphase. Eine 2021 in Nature publizierte Studie der Harvard-Forschungsgruppe um Ya-Chieh Hsu zeigte erstmals den direkten Mechanismus: Stresshormone hemmen einen Wachstumsfaktor (GAS6) in den dermalen Papillen, der für die Aktivierung des Haarzyklus verantwortlich ist.
  • Cortisol verschiebt die Hormonbalance. Steigt Cortisol, sinkt Progesteron relativ. Weniger Progesteron bedeutet weniger Schutz vor DHT. Stress und hormoneller Haarausfall verstärken sich gegenseitig.
  • Schlafstörungen in den Wechseljahren erhöhen Cortisol zusätzlich. Bis zu 60 % aller Frauen in der Menopause berichten über Schlafprobleme. Schlechter Schlaf bedeutet höheres Cortisol, weniger Regeneration, mehr Haarausfall.

Hier schließt sich ein Kreis, den viele nicht sehen: Die Wechseljahre selbst sind ein biologischer Stressor. Hormonelle Veränderungen, Schlafstörungen, emotionale Belastung, Veränderungen im Selbstbild. All das treibt Cortisol nach oben, und Cortisol treibt den Haarausfall an.

Zusätzlich spielt die nächtliche Regeneration eine zentrale Rolle. Dein Körper repariert und erneuert sich im Schlaf. Wenn dieser Prozess durch Stresshormone oder Schlafstörungen gestört wird, haben die Haarfollikel weniger Zeit für ihre Wachstumsarbeit. DHT ist nachts besonders aktiv, genau in dem Fenster, in dem dein Körper eigentlich reparieren sollte.

Insulinresistenz und Androgenüberschuss

Hier wird es spannend und gleichzeitig wenig besprochen: Insulinresistenz kann den Haarausfall in den Wechseljahren massiv verstärken. Und sie betrifft mehr Frauen, als die meisten denken.

Der Mechanismus:

  • Insulin stimuliert die Ovarien zur Androgenproduktion. Je höher dein Insulinspiegel, desto mehr Testosteron wird produziert. Mehr Testosteron bedeutet mehr DHT.
  • Insulin senkt das SHBG (sexualhormonbindendes Globulin). SHBG bindet freies Testosteron und macht es inaktiv. Sinkt SHBG, steigt das freie Testosteron, das für die DHT-Umwandlung verfügbar ist.
  • In den Wechseljahren steigt das Risiko für Insulinresistenz. Der Rückgang von Östrogen verschlechtert die Insulinsensitivität. Studien zeigen, dass bis zu 40 % der postmenopausalen Frauen eine Insulinresistenz entwickeln.

Dieser Mechanismus erklärt, warum Frauen mit PCOS (polyzystisches Ovarsyndrom) und Frauen in den Wechseljahren ähnliche Haarausfallmuster zeigen. In beiden Fällen ist die Insulin-Androgen-Achse gestört.

Zeichen, die auf Insulinresistenz hindeuten: Gewichtszunahme vor allem am Bauch, Heißhunger auf Kohlenhydrate, Energieeinbrüche nach dem Essen, Hautveränderungen am Nacken oder in den Achseln (Acanthosis nigricans).

Prof. Dr. Andrea Dunaif von der Icahn School of Medicine am Mount Sinai hat in mehreren Publikationen gezeigt, dass eine Verbesserung der Insulinsensitivität die Androgenproduktion signifikant senken kann. Das bedeutet: Lebensstilmaßnahmen wie Bewegung, proteinreiche Ernährung und Schlafoptimierung können den hormonellen Haarausfall positiv beeinflussen.

Vitamin-D-Mangel und Haarfollikelzyklus

Vitamin D ist kein Vitamin im klassischen Sinne, sondern ein Hormon. Und dieses Hormon spielt eine direkte Rolle im Haarfollikelzyklus. Rezeptoren für Vitamin D (VDR) sitzen in den Keratinozyten der Haarfollikel und sind essentiell dafür, dass der Haarzyklus korrekt durchlaufen wird.

Warum das in den Wechseljahren relevant wird:

  • Bis zu 80 % der postmenopausalen Frauen in Deutschland haben unzureichende Vitamin-D-Spiegel (unter 30 ng/ml), laut Robert Koch-Institut.
  • Eine Metaanalyse in Dermatology and Therapy (2019) fand signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel bei Frauen mit Telogenem Effluvium und androgenetischer Alopezie im Vergleich zu gesunden Kontrollen.
  • Östrogen unterstützt die Vitamin-D-Verwertung. Sinkt Östrogen in den Wechseljahren, kann die Vitamin-D-Aufnahme und -Aktivierung beeinträchtigt werden.

Vitamin-D-Mangel allein verursacht selten starken Haarausfall. Aber in Kombination mit den anderen Faktoren auf dieser Liste, vor allem mit dem hormonellen Dreieck und Eisenmangel, kann er den Unterschied machen zwischen leichtem und deutlichem Haarverlust.

Empfehlung: Lass deinen 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel messen. Ein Wert zwischen 40 und 60 ng/ml gilt als optimal. Die Supplementierung sollte immer mit Vitamin K2 kombiniert werden.

Medikamente, die Haarausfall in den Wechseljahren verstärken

Die siebte Ursache ist gleichzeitig die am häufigsten übersehene: Medikamente, die viele Frauen ab 45 einnehmen, können den Haarausfall verschlimmern oder sogar auslösen. Und oft wird dieser Zusammenhang weder vom verschreibenden Arzt noch von der Patientin hergestellt.

Medikamente, die Haarausfall fördern können:

  • Bestimmte Blutdrucksenker (Betablocker wie Metoprolol, ACE-Hemmer). Sie können den Haarzyklus stören und Telogen Effluvium auslösen.
  • Statine (Cholesterinsenker). Einige Studien berichten über Haarausfall als Nebenwirkung, möglicherweise weil Cholesterin ein Vorläufer der Steroidhormone ist.
  • Synthetische Gestagene in der HRT. Nicht alle Gestagene sind gleich. Einige haben androgene Eigenschaften und können den DHT-Spiegel erhöhen, statt ihn zu senken.
  • Antidepressiva (SSRIs, SNRIs). Haarausfall wird bei einigen Wirkstoffen als häufige Nebenwirkung gelistet.
  • Schilddrüsenmedikamente in falscher Dosierung. Sowohl Über- als auch Unterdosierung von L-Thyroxin kann den Haarausfall verschlimmern.

Eine Übersichtsarbeit in Drug Safety identifizierte über 100 Medikamente, die Haarausfall als dokumentierte Nebenwirkung haben. In den Wechseljahren ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass mindestens eines dieser Medikamente eingenommen wird.

Was du tun kannst: Sprich mit deinem Arzt gezielt über den Zusammenhang zwischen deinen Medikamenten und deinem Haarausfall. Setze nie ein Medikament eigenständig ab. Aber frage, ob es Alternativen gibt, die weniger haarschädigend wirken.

Ist Haarausfall in den Wechseljahren normal?

Ja, Haarausfall in den Wechseljahren ist häufig. Etwa jede dritte Frau in der Menopause ist betroffen. Er ist eine biologische Reaktion auf die hormonelle Umstellung, nicht ein Zeichen dafür, dass etwas grundsätzlich falsch läuft. In diesem Sinne ist er "normal". Aber "normal" bedeutet nicht "unvermeidbar" und schon gar nicht "da kann man nichts machen".

Das haben viele Frauen gehört. Von ihrem Dermatologen, von ihrer Hausärztin, manchmal sogar von ihrer Apothekerin ("Es gibt doch hübsche Perücken"). Diese Reaktionen sind nicht nur falsch. Sie sind verletzend. Und sie ignorieren, was die Wissenschaft der letzten zehn Jahre herausgefunden hat.

Was wir heute wissen:

  • Die hormonellen Mechanismen sind verstanden. DHT, Östrogenmangel, Cortisol, Insulinresistenz. Wir wissen, was passiert und warum.
  • Es gibt pflanzliche Wirkstoffe, die das Enzym hemmen, das DHT produziert. Kürbiskernöl-Phytosterole und Sägepalmenextrakt zeigen in klinischen Studien moderate, aber messbare Ergebnisse.
  • Lebensstilmaßnahmen beeinflussen die Hormonbalance. Schlaf, Bewegung, Ernährung und Stressmanagement sind nicht nur "nett, wenn man kann", sondern wirken direkt auf die Achsen, die deinen Haarausfall antreiben.
  • Die Kombination macht den Unterschied. Kein einzelner Faktor erklärt den Haarausfall vollständig, und keine einzelne Maßnahme löst ihn vollständig. Der Schlüssel liegt darin, mehrere Hebel gleichzeitig zu bewegen.

Das Schwierigste am Haarausfall in den Wechseljahren ist oft nicht die Biologie. Es ist das Gefühl, dass niemand es ernst nimmt. Dass es als Eitelkeit abgetan wird. Dass du beim Googeln um 23 Uhr das Gefühl hast, allein damit zu sein.

Du bist nicht allein. Und du musst dich nicht damit abfinden.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du diesen Artikel gelesen hast und dich in mehreren Ursachen wiedererkennst, ist das eigentlich eine gute Nachricht. Es bedeutet, dass du weißt, wo du ansetzen kannst. Hier ist ein konkreter Plan:

Schritt 1: Die richtigen Blutwerte testen lassen

  • Ferritin (nicht nur Hämoglobin)
  • TSH, fT3, fT4
  • 25-OH-Vitamin D
  • Nüchterninsulin und HbA1c (für Insulinresistenz)
  • Testosteron gesamt und frei, SHBG, DHEA-S

Viele Gynäkologen und Hausärzte testen standardmäßig nur einen Bruchteil davon. Fordere die vollständige Liste ein oder suche einen Endokrinologen auf.

Schritt 2: Die Basics richtig machen

  • Schlaf optimieren. 7-8 Stunden, dunkler Raum, kein Bildschirm 30 Minuten vor dem Schlafen. Schlaf senkt Cortisol und gibt deinem Körper das Regenerationsfenster, das er braucht.
  • Proteinzufuhr erhöhen. Haare bestehen aus Keratin (einem Protein). Mindestens 1,2 g Protein pro kg Körpergewicht täglich.
  • Bewegung gegen Insulinresistenz. Krafttraining und Spaziergänge verbessern die Insulinsensitivität und senken indirekt die Androgenproduktion.
  • Stressmanagement. Nicht als Luxus, sondern als Hormontherapie verstehen.

Schritt 3: Die hormonelle Ursache adressieren

Wenn dein Haarausfall hormonell bedingt ist (breiter werdender Scheitel, dünner werdende Schläfen, Familiengeschichte), dann zielt er auf DHT. Und dann braucht dein Ansatz etwas, das DHT hemmt, nicht nur etwas, das das Haar "nährt". Biotin, Kollagen und die meisten Haarvitamine tun letzteres. Sie füttern Haar, das von DHT angegriffen wird. Das ist wie eine Pflanze zu gießen, deren Wurzeln abgeschnitten werden.

Die natürliche Forschung konzentriert sich zunehmend auf pflanzliche 5-Alpha-Reduktase-Hemmer: Wirkstoffe, die das Enzym moderieren, das Testosteron in DHT umwandelt. Kürbiskernöl (mit seinen Delta-7-Sterolen) und Sägepalmenextrakt sind die am besten untersuchten natürlichen Kandidaten. Mehr dazu in unserem Vergleich aller Methoden gegen Haarausfall in den Wechseljahren. Eine neue randomisierte kontrollierte Studie von März 2026 zeigte eine 70-prozentige Reduktion des Haarausfalls bei Frauen in der Menopause durch Sägepalmenextrakt.

Das ist kein Wundermittel. Es braucht Zeit. Die ersten Veränderungen, weniger Haare im Abfluss, zeigen sich typischerweise nach 4-6 Wochen. Sichtbare Dichteveränderungen kommen nach 3-6 Monaten. Aber für viele Frauen ist es der erste Ansatz, der an der tatsächlichen Ursache ansetzt, ohne Rezept und ohne die Nebenwirkungen, die viele von Finasterid oder Minoxidil abschrecken.

Häufige Fragen zu Haarausfall in den Wechseljahren

Wann hört Haarausfall in den Wechseljahren auf?

Bei den meisten Frauen stabilisiert sich der hormonelle Haarausfall 2-5 Jahre nach der letzten Periode, wenn sich der Hormonspiegel auf ein neues Gleichgewicht eingependelt hat. Das bedeutet aber nicht, dass die verlorene Dichte automatisch zurückkommt. Ohne gezielte Maßnahmen bleibt das Haar in dem Zustand, den es erreicht hat. Je früher du die Ursachen angehst, desto weniger Dichte geht dauerhaft verloren.

Welcher Mangel verursacht Haarausfall in den Wechseljahren?

Die häufigsten Nährstoffmängel bei Haarausfall in der Menopause sind Eisenmangel (Ferritin unter 40 ng/ml), Vitamin-D-Mangel (unter 30 ng/ml) und Zinkmangel. Allerdings ist der Haarausfall in den Wechseljahren selten nur ein Nährstoffproblem. Die hormonelle Komponente, vor allem der steigende DHT-Einfluss bei sinkendem Östrogen, spielt fast immer die Hauptrolle.

Hilft Biotin gegen Haarausfall in den Wechseljahren?

Biotin unterstützt die Keratinproduktion und kann bei einem echten Biotinmangel helfen. Dieser ist allerdings selten. Bei hormonell bedingtem Haarausfall in den Wechseljahren wirkt Biotin nicht an der Ursache, weil es DHT nicht beeinflusst. Es nährt das Haar, greift aber nicht den Mechanismus an, der es ausfallen lässt. Deshalb berichten viele Frauen nach monatelanger Biotin-Einnahme von keiner Verbesserung.

Ist diffuser Haarausfall in den Wechseljahren reversibel?

Diffuser Haarausfall, bei dem das Haar gleichmäßig über den gesamten Kopf dünner wird, ist oft besser umkehrbar als androgenetischer Haarausfall. Wenn die Ursache identifiziert und behandelt wird (Schilddrüse, Eisenmangel, Stress), kann sich das Haar in vielen Fällen innerhalb von 6-12 Monaten erholen. Bei androgenetischem Haarausfall hängt die Umkehrbarkeit davon ab, wie weit die Follikelminiaturisierung fortgeschritten ist.

Kann Hormonersatztherapie (HRT) gegen Haarausfall in den Wechseljahren helfen?

Hormonersatztherapie kann den Haarausfall in einigen Fällen verlangsamen, indem sie den Östrogenspiegel stabilisiert. Die Studienlage ist jedoch gemischt. Manche Frauen berichten von einer Verbesserung, andere von keiner Veränderung. Entscheidend ist die Art des verwendeten Gestagens: Einige synthetische Gestagene können den Haarausfall sogar verschlimmern, weil sie androgene Eigenschaften haben. Sprich mit deinem Gynäkologen gezielt über haarfreundliche HRT-Optionen.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du unter starkem oder plötzlichem Haarausfall leidest, konsultiere bitte einen Dermatologen oder Endokrinologen.

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